ORKUS FESTIVAL CLUB TOUR 2006 /[ KuFa Krefeld 12.04.2006 ]
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Unter diesem Motto stand der Abend des 06. April in der Krefelder Kulturfabrik, und AND ONE nutze die Tour um gleichzeitig als Headliner das neue Album "Bodypop" noch vor Veröffentlichung zu präsentieren. Mit von der Partie waren noch die Schweizer Formation DIVISION KENT, die Berliner ZERAPHINE sowie die Hammelner Electro-Band FUNKER VOGT.

 

Der Abend wurde eröffnet von DIVISION KENT. Das Duo besteht aus Andrea B und Sky Antinori. Beide werden bei Live-Auftritten meist noch von bis zu drei weiteren Musikern begleitet. Heute Abend waren die Schweizer aber nur als Trio unterwegs, hatten aber noch eine tolle Videoprojekton in der Tasche, die während der Show nette Bildchen in den Hintergrund brachte. Andrea gab sich lässig lasziv, verbarg ihr Gesicht meist hinter ihrem braunen Haar und schritt bedächtig auf der Bühne auf und ab. Ähnlich erlebten wir auch die Musik. Im Gegensatz zum Pressetext auf der Homepage von DIVISION KENT konnten wir wenig Gemeinsamkeiten zu Begriffen wie "Elektro", "Punk", "Dub" und "New Wave" wiederfinden. Bei geschlossenen Augen hätte man sich eher einen Strand bei untergehender Sonne vorstellen können, wo man sich ausruht und chillt. Daher gab es auch keine weiteren besonderen Vorkommnisse bei diesem Auftritt.

 
Der zweite Teil des Abends gehörte ZERAPHINE aus Berlin. Die fünfköpfe Band um Frontman und Sänger Sven Friedrich tourt seit Januar 2005 mit ihrem aktuellen Album "Blind Camera" durch die Szene und die Fans folgen ihren Idolen quer durch die Republik. Somit war auch heute in Krefeld eine nicht unerhebliche Anzahl als Zeraphine-Fans zu erkennende Personen anwesend. Das Bonbon waren aber nicht die alten Songs, sondern bei den meisten brannte die Vorfreude auf neue Tracks viel mehr unter den Nägeln. Mitte des Jahres wird es nämlich einen neuen Longplayer geben, der bisher jedoch noch namenlos ist. Somit brachten die fünf zwei der neuen Tracks im heutigen Set unter, und die Euphorie bei den Fans war entsprechend gross. Darüber hinaus spielte die Band einen Querschnitt aus den drei bisher veröffentlichen Alben. Man muss zugeben, dass ZERAPHINE" eine Truppe ist, die die Lager spaltet. Entweder man mag sie, oder halt nicht. Aus unserer Sicht liefern sie solide Musik, vom Hocker gerissen haben sie uns hingegen nicht. Da hilft auch nicht, dass Frontmann Sven für den Rest des Abends von vorwiegend weiblichen Fans umlagert war ...
 

An dritter Stelle des Line Ups für diesen Donnerstag standen nun die Mannen von FUNKER VOGT. Mit dem Opener "Navigator" funkte es von Anfang an doch gewaltig, und mit "Fallen Hero" und "Date Of Expiration" legte Sänger Jens Kästel gleich noch einen nach. Recht locker ging es zur Sache auf der Krefelder Bühne, es wurde viel gelacht und gefeixt unter den Bandmitgliedern. Es folgten "Final Thrill", "Killing Ground" und "Maschine Zeit". Mittlerweile war das T-Shirt von Sänger Jens ziemlich durchgeschwitzt, was die anwesende Damenwelt aber keinesfalls als schlimm empfand. Der Geschlechterkampf schien sich so aufzuteilen, dass die Damen an der Optik, und die Herren an der Musik Gefallen fanden. Das hatte aber keinen Einfluss auf das Set von "Funker Vogt", das mit "Starfighters" und "Gunman" voran ging. "Tragic Hero" bildete dann zunächst der Abschluss und die Herren verliessen die Bühne, um kurze Zeit später "FV II" und dem Hit "Killing Fields" ihr Programm für den Abend zu beenden. Unter grossem Applaus entliess man FUNKER VOGT dann auch in die Katakomben der KuFa.

 

Erwartungsgemäss absolvierte die "Funker"-Truppe damit ihr Set und sorgte für hervorragende Stimmung im Saal. Somit war es für den Headliner des Abends, AND ONE, ein leichtes die Bühne zu betreten und einer sichtlich gut gelaunten Menge gegenüber zu stehen. Fans wissen, dass der Kopf von AND ONE, Steve Naghavi, in den letzten Jahren nicht sonderlich viel zu lachen hatte.

 

Entsprechend gross waren die Erwartungen an das Trio und die neuen Tracks, die man demnächst unter dem Albumtitel "Bodypop" käuflich erwerben können wird. Unserer Ansicht nach ein Pflichtkauf! Aber beginnen wir von vorn: Eröffnet wurde das Set mit "Traumfrau" und den kecken Worten, wir sind die Ost Berliner AND ONE, gefolgt von Liedern "Military Fashion Show", beide vom neuen Album, und dem Klassiker "Für". Ein richtig chic gekleideter Steve fegte wie ein Wirbelwind im schwarzen Anzug, weissen Hemd und roter Krawatte über die Bühne und schien die berühmte "Duracell" rektal verinnerlicht zu haben. Das AND ONE-Feuerwerk ging weiter mit "Metalhammer", "Bodynerv" und "Speicherbar". Um den Vorgeschmack auf das Album-Release zu erhöhen, bekamen die rund 500 Zuhörer noch zwei bisher unveröffentlichte Tracks, nämlich "Body Company" und "Enjoy The Unknown". Aus dem schier unendlichen Repertoire wurden nun "Panzermensch", "Get You Closer" und "Deutschmaschine" nachgelegt und liessen das Publikum nicht mehr stillstehen. Unter Mitwirkung von Ruiz (in bester Rapper-Manier) wurde nun "Fernsehapparat" performt, es folgten "Strafbomber" und zum Abschluss "Sternradio". Hierbei liess Steve es sich nicht nehmen seine musikalischen Einflüsse offen zu legen und streute "Photographic" von DEPECHE MODE gekonnt in den Song ein. Die Bühne leerte sich, jedoch nicht für lange, dann wurden die drei frenetisch von der Meute zurück auf die Stage geholt. Als Zugaben gab man "Krieger" und das CURE-Cover "The Walk" zum Besten. Nun sollte eigentlich Schluss sein, aber die Leute waren so begeistert und animierten AND ONE noch dazu, "Technoman" zu spielen. Damit fand das Set um Steve Naghavi auch sein endgültiges Ende für diesen Abend. Wenn es nach den Fans gegangen wäre, hätte es noch endlos weitergehen können ...

 

Das Fazit der ORKUS Club Tour in der KuFa Krefeld lautet wie folgt: insgesamt ein tolles Line Up, das mit DEVISION KENT verhalten, ja schon fast zu ruhig begann. Mit ZERAPHINE ging es weiter, die ein solides Programm boten, jedoch fehlten die prägnanten Punkte. FUNKER VOGT gab dann richtig Gas und verstand es in toller Art und Weise das Publikum in seinen Bann zu ziehen und brachte richtig viel Bewegung in die Menge. Absolutes Highlight und verdienter Headliner des Abends aber waren AND ONE um Steve Naghavi. Ich war im Vorfeld gemischter Gefühle, ob ich mich nun auf diesen Act freuen sollte oder nicht. Nun, danach, bin ich restlos begeistert und habe mich von der Musik und der Gesamtperformance überzeugen lassen! Man darf sich in diesem Jahr noch auf viele fette Gigs mit AND ONE freuen! Manko des Abends war sicherlich die unbefriedigte Besucherzalh lt. Auskunft des örtlichen Veranstalters. Hoffen wir, dass sich dies bei der zweiten, im Herbst stattfindenden Club-Tour (u.a. mit PROJECT PITCHFORK und UNHEILIG) reguliert und der Laden rappelvoll wird.

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Text: Dietmar Vander
Fotos: Sandro Griesbach

DIVISION KENT: Galerie II
ZERAPHINE: Galerie II
FUNKER VOGT: Galerie II
Galerie II
AND ONE: Galerie II
Galerie II