13 TERRA GOTHA FESTIVAL/ [ Het Arsenall, Vlissingen Holland 28.10.2006 ]
 

Vlissingen. Eine malerische Hafenstadt in Holland. Dort, wo normalerweise bunt gekleidete Touristen aus aller Herren Länder die Strandpromenade auf und ab spazieren, prägt zweimal im Jahr die Farbe Schwarz das Straßenbild. Denn dann ist es wieder soweit: Die Anhänger der schwarzen Szene feiern das Terra Gotha-Festival. Im Jahre 2001 wurde die Veranstaltung von Fotograf Wim de Nooyer ins Leben gerufen, um lokalen Bands die Möglichkeit zu bieten, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Seitdem freut sich das Festival über eine jährlich wachsende Besucherzahl und längst ist aus dem kleinen Event ein international bekanntes Festival geworden. Schon viele hochkarätige Szene Bands gaben sich hier die Ehre. Auch dieses Jahr konnten die Macher mit Contrast, Frozen Plasma, Aesthetic Perfection, Cephalgy, V2A Agonoize, InStrict Confidence & The Crüxshadows wieder ein hochkarätiges Line up auf die Beine stellen. So machten wir von darkmoments uns auf den Weg in das westliche Nachbarland, um an der Sache teilhaben zu können. Mitgebracht haben wir viele Eindrücke, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

 

Es fegte ein kräftiger Nordseewind über den breiten Fahrweg, der uns zum Eingang des Vlissinger Arsenaaltheaters führte. Noch ließ sich nicht erkennen, wo da ein Gothic Konzert stattfinden sollte, denn von außen zeigte sich dies Location als moderner, eher spießiger Prunkbau. Doch schon beim Öffnen der großen Eingangstüre versprühte er den Charme eines kleinen, gemütlichen Provinz Theaters. Direkt am Eingang lud das gemütliche Theatercafé zu einem kleinen Plausch unter Gleichgesinnten ein. An dem Durcheinander der vielen Stimmen konnte man erkennen, dass Holländer, Belgier, Engländer und sogar ein paar deutsche Besucher angereist waren. An das Café angeschlossen befand sich der ca. 800 Menschen fassende Konzertsaal. Sofort war uns diese Location sympathisch. Es versprach ein gemütliches Festival zu werden. [ TN ]

 

Pünktlich um 15:00 eröffnete die aus Amsterdam stammende Band Contrast das Festival. Mit einer Mischung aus Dark Elektro, Dark Wave sowie Gothic Elementen zogen sie gleich trotz des frühen Zeitpunkts die im Theater versammelten Zuschauer in ihren Bann! Frontmann Patrick van Alphen fegte mit zu Rasta-Zöpfen gebundenen Haaren über die Bühne. Sehr gekonnt setzte er seine Gitarre ein, die sich perfekt in die Kompositionen integrierte. Seit 2005 gehört auch Maaike Alvares zur Formation. Mit viel Gefühl zauberte die Keyboarderin den atmosphärischen Background der Songs. Den eher harten Rhythmus schlug René Jongeneelen auf dem elektronischen Schlagzeug an, ein gelungener Auftakt für einen Opener, der es ja bekanntlich nie leicht hat. Auch das Publikum war begeistert. Besonders „Follow the leaders“ blieb im Gedächtnis. Schade, dass es keine Zugabe mehr gab und so nutzten wir die Gelegenheit, um uns an dem liebevoll dekorierten Verpflegungsstand mit Getränken zu versorgen. [ TN ]

 

Als wir wieder den Konzertsaal betraten, hatte sich dieser schon deutlich gefüllt. Vor der Bühne drängelten sich zahlreiche Frozen Plasma Fans, die dem Auftritt von Vasi Vallis und Felix Marc entgegen fieberten. Vasi, vielen schon aus der aufgelösten Band NamNamBulu sowie verschiedenen anderen namhaften Projekten bekannt, und Felix, der als Producer, Keyboarder und Background Sänger der Formation Diorama ebenso einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, haben mit Frozen Plasma ein neues Dark-Elektropop Projekt am Start. Beim Genuss ihrer Musik kann man schnell ins Schwärmen kommen: Gefühlvolle Melodien, treibende Beats und ein erstklassiger melodischer, melancholischer sowie weicher Gesang machen die Band zu einem absolutem Hinhörer! Auch live kamen die Songs überzeugend und klar rüber. Man merkte deutlich die Erfahrung der beiden Musiker. Vorwiegend die weiblichen Fans trainierten ihre Tanzmuskeln, aber auch so manch hart gesottener Industrial Fan wog sich im Takt der Musik.

 

Von Ihrer neuen EP „Emphasize“ gaben FP den Titel „Warmongers“ zu zum Besten. Natürlich durfte das gefühlvolle „Condense“ ebenso wenig fehlen wie die Clubhits „Hypocrite“, „Generations“ und das wohl allen bekannte „Irony“, der Opener des „Artificial“-Albums. Leider gab es keine Zugabe mehr und so verließen Frozen Plasma nach knapp 30 Minuten schon wieder die Bühne! [ TN ]

 

Als nächstes stürmten die US-Amerikaner von Aesthetic Perfection die Bühne. Nach dem Intro mit einer weiblichen Roboterstimme krachten die Beats wie eine zu Musik gewordene Kriegsmaschinerie, und der verzerrte Gesang von Danny Graves peitschte mit voller Härte und Aggression aus den Boxen. Außer einem Synthie und einem Keyboard befand sich kein Equipment auf der Bühne. So hatte Frontmann Danny genügend Platz, wie vom Teufel besessen über die Bühne zu toben. Am Keyboard stand im Gegensatz zu unserem letzten Aufeinandertreffen in Frankfurt eine junge Lady, welche uns doch schon von der Agonoize Truppe bekannt vorkam. Gekonnt sorgte sie für den brachialen Sound, der einen Großteil des Live Auftritts von Aesthetic Perfection ausmachte. Nach dem etwas ruhigeren Auftritt von Frozen Plasma war das genau das, was die hartgesottenen Industrial Fans brauchten. Dementsprechend wild waren auch die Tanzeinlagen des Publikums und begeisternd wurde jeder Song heftig mitgefeiert.

 

Neben Stücken von Ihrem Debüt Album „Close To Human“ feuerten sie auch einen neuen absolut Club tauglichen Kracher namens „Spilling Blood” auf das Publikum ab, welchen die schwarz-holländischen Electro-Krieger dankend annahmen. [ TN ]

 

Im Anschluss an Aesthetic Perfection sollte es dann wieder etwas ruhiger werden, denn nun war die ebenfalls beim Leipziger Label Out of Line beheimatete Band Cephalgy an der Reihe. Hier und heute mal ohne Stella, welche sonst entweder hinterm Keyboard oder lasziv hinter einer Schattenwand tanzend präsent ist. Dafür traf ich sie später im Publikum wieder, so war sie heute wohl einfach mal nur als Zuschauerin angereist! Los ging es gleich mit dem brandneuen Stück „Niemals“ von der erst kürzlich erschienenen EP „Moment der Stille“. Still war es jedoch hier im Arsenal Theater nicht gerade, denn weiter ging es mit Titeln wie „Wer ich bin“, „Deine Tränen“ und „Vater“, welche gut vom Publikum angenommen wurden. Ab und zu vermisste ich etwas die Bissigkeit von Frontmann Jörg und dem am rechten Keyboard platzierten Christian, aber vielleicht lag ihnen ja noch die lange Anreise aus ihrer Heimat Sachsen in den Knochen. Als letzten Track präsentieren uns Cephalgy ihren bisher bekanntesten und erfolgreichsten Titel,

 

der wie ihr Erstlingswerk auf den Namen „Engel sterben nie“ hört. Ich denke, als Veranstalter hätte ich die Band etwas anders im Line Up platziert, nichts desto Trotz auf alle Fälle wieder etwas Gutes für die Ohren. [ SG ]

 

Die EBM Maschinery V2A gab sich als nächstes die Ehre. Was nun über die Zuhörer herein prasselte, waren verzerrte männliche und weibliche Vocals, monoton-kalte und harte Beats, Samples und ein Hauch von Melodik. So furchterregend, dass einem glatt ein kalter Schauer den Rücken hinunter lief, bohrten sich die Tracks in unsere Gehörgänge! Druckvoll schmetterte die Band um die deutsche Ines Lehmann und den Engländer Kevin Stewart ohne Atempause Titel um Titel ins tobende Publikum! Starker Nebel umhüllte die Beiden, Kevins großer Suchscheinwerfer, den er bei einigen Songs einsetzte, zauberte unheimliche Licht/Schattenspiele in den Nebel und ließ die Bühnenshow noch bedrohlicher wirken. Das Vlissinger Publikum war in den ersten Sekunden von dem Dargebotenen etwas überrascht, fasste sich jedoch relativ schnell wieder und feierte eine wilde EBM Party. Mit beeindruckender Heftigkeit bearbeitete Schlagzeuger Matthew Hawkessein sein elektronisches Drum Kit. Kevin fegte wie ein Besessener über die Stage.

 

Auch Ines stand Ihren männlichen Kollegen im nichts nach und spornte das tobende Publikum zu Höchstleistungen an! Entsprechend erschöpft und sichtlich ausgepowert verließen die Fans den aufgeheizten Konzertsaal, um ein wenig frische Luft zu schnappen oder sich zu einem kühlen Getränk im Café auszuruhen. [ TN ]

 

Das erste mal an diesem Abend schlossen sich die großen roten Vorhänge und verhüllten die Bühne, man spürte, es ging in Richtung des ersten Headliners! Wie jetzt - Agonoize und Headliner? Hatten sie doch in diesem Jahr erst noch als undankbarer Opener das WGTs auf der Parkbühne eröffnen müssen. Ok, soviel vorweg, sie waren hier noch nicht die letzte Band, aber man merkte doch schon eine gewisse Neugier der Holländer, denn der Ruf, welchen sich die 3 Berliner bisher mit ihren Live Performances geschaffen hatten, scheint wohl auch bis hier vorgedrungen zu sein. Als sich der Vorhang wieder beiseite schob, zogen uns große Nebelschwaden entgegen und es öffnete sich der Schlund der Hölle. Auch wenn die Band selbst den Begriff nicht mag, ein Hellelectro-Gewitter vom allerfeinsten zog über uns hinweg. Nach den Openern „God for sale“ und „Bängbäng goodbye“ folgte der Live-Kracher „D:M:K“, bei dem wieder einiges an Blut über die Stage flog. Das Vlissinger Publikum ging teils in Deckung, andere wiederum entledigten sich aber ihrer Oberteile!

 

Bei „Koprolalie“, dem neuen Song von der am 06.06. diesen Jahres erschienen EP „Ultraviolent six“, kam wieder der obligatorische Samenerguss zum Einsatz, den die Holländer aber wohl nicht ganz so mit Humor auffassten. Der Höhepunkt musikalischer Art war aber wieder „Sacrifice“ sicher auch wegen der 2 Liter Blut, welche wieder auf die Stage und ins Publikum gespritzt wurden. Als Chris und Oli die Bühnenbretter danach verließen (Mike konnte leider nicht mit dabei sein), wurden das erste mal an diesem Abend Zugaberufe laut! Und die 2 kamen mit „To paradise“ wieder und ließen es noch einmal richtig brennen! [ SG ]

 

Nun wurde es Zeit für den Co Headliner In Strict Confidence. Bereits im Jahr 2001 feierten die Deutschen ihren größten Erfolg mit dem Hit Album „Love Kills“, welches Platz 1 in den DAC-Charts erreichte. Die zugehörige Deutschlandtournee bereitete einen unvergesslich schönen Eindruck, wie erfolgreich und harmonisch eine Konzertreise sein kann. Nun im Jahre 2006 war wieder eine größere Tour angesagt, und so machte die Band auch einen Halt beim Terra Gotha-Festival in Holland! Nach längerer Umbauphase betrat Dennis Ostermann mit seinen Musikern Jörg Schelte (Keyboard, Synthie) und Stefan Vesper (Drums) die Bühne. Natürlich durfte auch Antje Schulz, die Frau im Team nicht fehlen. Sichtlich gut gelaunt begrüßte Dennis das Vlissinger Publikum. An dem Gedränge vor der Bühne merkte man, dass In Strict Confidence von vielen Besuchern bereits sehnlichst erwartet wurden. Es ging gleich heftig mit neuem Material los. Dennis raue und volle Stimme überzeugte gleich von Anfang an, aber auch Antjes Gesang fügte sich gekonnt ins Gesamtklangbild ein!

 

Der vierte Track „Zauberschloss“ wurde begeisternd aus aller Munde mitgesungen. Spätestens jetzt hatte Dennis die Zuhörer auf seiner Seite. In der 90 minütigen Spielzeit wurden aktuelle Titel des neuen Werks „Exile Paradise“ sowie ältere Stücke aller Alben gespielt. Das Publikum bedankte sich mit heftigem Beifall. Schließlich verabschiedeten sich In Strict Confidence und überließen die Bühne den Roadies des Headliners „The Crüxshadows“! [ TN ]

 

Der Vorhang schloss sich und die ersten Reihen waren bereits jetzt eng gefüllt. Fast alle schienen sehr gespannt und die Uhr zeigte bereits Mitternacht an. Zwischenzeitlich ging der Vorhang mal kurz auf: Wir bekamen einen kleinen Einblick und sahen eine ziemlich verärgerte Jessica. Ok, das hieß wohl noch eine etwas längere Wartezeit. Na ja, aber wiederum 20 Minuten später ging es dann endlich los und das lange Warten war sogleich vergessen. All diejenigen im Publikum, welche die Crüxshadows bereits kannten, drehten sich instinktiv nach hinten um und nicht in Richtung Bühne und lagen damit genau richtig. So kam Rogue wie üblich von hinten durch das Publikum auf die Stage, während er uns seinen neuen Song „Sophia“ präsentierte. Ein schöner Einstieg und bereits jetzt wurden die Hüften geschwungen, obwohl die Komposition für die Meisten unbekannt war. Der nächste Kracher ließ nicht lange auf sich warten und alle blutechten Crüxshadows-Anhänger sangen „Foreverlast“ mit.

 

Natürlich wäre diese Band nicht einmalig, wenn sich Rogue nicht immer wieder neue Späßchen überlegen würde und so spazierte er mal wieder durchs Publikum und kam mit einer Leiter zurück, welche er mitten zwischen seinen Fans aufbaute und hoch oben seine Arme empor streckte und uns seine Stimme genießen ließ. Währenddessen gaben die Mädels auf der Bühne alles und lieferten mal wieder eine Tanzshow voller Energie ab.

 

Ein weiteres Highlight bot uns der Klassiker „Deception“, welcher durch Rachels wundervollen Klang der Geige eingeleitet wurde und auch der Tanz von Rogue mit einem Fan ist hierbei Standard. Auch dies eine Nummer, die immer wieder auf ein Neues für viel Begeisterung sorgt! Wir bekamen auch noch ein paar weitere neue Titel geboten wie zum Beispiel „Birthday“, und zwischendurch stellte uns Rogue seine Band mit neuer Keyboarderin vor und forderte uns alle auf, den Merchandise Stand nach dem Konzert zu besuchen sowie im Januar das neue Album zu kaufen. Hier für alle, die es interessiert, ein kurzer Einwurf hierzu: Es lohnt sich wirklich, die Maxi-CD „Sophia“ zu erwerben! Jeder, der die verrückten Jungs und Mädels aus den Amilanden mag, wird ins Träumen kommen. Natürlich fehlten auch an diesem Abend Songs wie „Tears“ , „Winterborn“ oder „Edge of the World“ nicht, so verging die Zeit wie im Fluge und ließ die Zuschauer in den Künsten der Crüxshadows schweben. Irgendwann verließen auch sie natürlich die Bühne.

 

Aber klar, es fehlte noch ein Song, der bei keinem Konzert fehlen darf. So kamen sie zu „Marilyn my bitterness“ zurück und holten dazu die ersten fünf Reihen der Zuschauer ebenfalls nach oben, ein bekanntes Schauspiel aber immer wieder imposant. Dies war der krönende Abschluss dieses Festivals, und ich denke, dass an diesem Abend jeder auf seine Kosten gekommen ist und zufrieden den Heimweg antreten konnte.

 

Manch einer aus dem Publikum war zwar kaum noch in der Lage zu laufen, aber wir hoffen auch für diese Personen, dass sie heil in ihr Bett kamen und nicht mit den tobenden Wellen der Nordsee Bekanntschaft machten. So verließen auch wir gegen 2.00Uhr (noch Sommerzeit) das Theater, natürlich konnte, wer noch Lust hatte weiter zu feiern, an der After Show Party teilnehmen. Wir begaben uns müde aber glücklich zurück in unser Hotel und freuen uns schon jetzt auf das nächste Terra Gotha Festival, welches sicher eine Reise wert sein sollte. [ AB ]

 
Text: Anika Buss [ AB ]
Text: Sandro Griesbach [ SG ]
Text: Thomas Nattermann [ TN ]
Bilder: Sandro Griesbach [ SG ]
Bilder: Thomas Nattermann [ TN ]
 
 
 

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