12 Darkstorm Festival ..[ Stadthalle, Chemnitz 25.12.2008 ]
 

Events wie das Darkstorm-Festival kommen Weihnachtsmuffeln sehr gelegen und so machten wir uns am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages auf nach Chemnitz, um das bereits zum 12. Mal stattfindende Festival zu besuchen. Eine Besonderheit an der Stadthalle ist das riesige angrenzende Hotel mit 26 Stockwerken, welches wohl an Bequemlichkeit aufgrund des kurzen Nach-Hause-Weges nicht zu übertreffen ist. Kurz eingecheckt ging es auch schon um 16.15 Uhr mit dem Einlass los und wie in jedem Jahr warteten die Besucher in riesigen Schlangen. Drinnen angekommen erwarteten sie etliche Stände, die für das leibliche Wohl sorgten, sowie Merchandise-Artikel aller Bands. Im großen Saal wurden aufgrund der enormen Nachfrage auch die Ränge geöffnet und sollten den Besuchern einen imposanten Blick auf Bühne und Zuschauer bieten.

 

Als Opener begannen eine Stunde nach Einlass die Gothic-Rocker MONO INC. aus Hamburg. Seit dem Erscheinen ihres dritten Albums „Pain, Love & Poetry“ gewann die Formation, die bereits seit Ende der Neunziger besteht an Popularität und auch an diesem Abend konnten Sänger Martin Engler, Gitarrist Carl Fornia, Bassist Manuel Antoni und Drummerin Katha Mia das Publikum mitreißen. Mit „This is the Day“ startete die sympathische Band und Sänger Martin wurde gesanglich von der Drummerin Katha Mia unterstützt. Noch wirkte das Publikum verhalten und beobachtete das Treiben auf der Bühne. Rockiger ging es beim zweiten Song „Temple of the Torn“ zu, welcher mich stark an die Sisters of Mercy erinnerte. Das Publikum taute merklich auf und belohnte die Band mit einem beachtlichen Applaus. Wunderschön melodisch und trotzdem rockig folgte der Song „In my Heart“ vom Album „Temple of the Torn“. Martins ausdrucksstarker Gesang fesselte mich, während um mich herum getanzt wurde. Als Lieblingssong der Drummerin wurde „My Sick mind TV“ angekündigt. Diese leitete im Anschluss die aktuelle Single „Get some Sleep“ mit einem kräftigen Schlagzeugsolo ein. Die Zuschauer klatschten mit erhobenen Händen im Takt, während die harmonischen Stimmen von Martin und Katha Mia den Text des eingängigen Songs sangen. Der Auftritt ging leider mit „Sleeping my Day away“ schon zu Ende und bildete den Höhepunkt des Auftritts, als wir gemeinschaftlich den Refrain sangen. Für alle, die auf den Geschmack gekommen sind, MONO INC. werden 2009 mit Subway to Sally und ASP auf Deutschland-Tour gehen! In eine etwas andere Richtung ging es weiter im großen Saal.

 

Die Mittelalter-Industrial-Rocker TANZWUT [ Galerie ] zogen mitsamt allen Bandmitgliedern und haufenweise Instrumenten auf die Bühne, um mit „Ihr wolltet Spaß“ gleich richtig aufzudrehen. Mittelpunkt bildete wie immer Sänger Teufel, der mit seinen markant roten Hörnern die Blicke auf sich zog. Nicht weniger impulsiv ging es bei den nächsten Stücken zu, wobei „Meer“ und „Lügner“ wohl die bekanntesten waren und richtiggehend abgefeiert wurden. Druckvolle Gitarrenriffs in Kombination mit vielen mittelalterlichen Instrumenten ließen es auf und vor der Bühne rocken. Bei dem Ärzte-Coversong „Bitte, Bitte“ war das gesamte Publikum textsicher und die singende Masse feierte ausgelassen. Unter einer perfekten Lichtshow ging mit „Schattenreiter“ vom gleichnamigen Album die schweißtreibende Show zu Ende. Mittlerweile hatten im kleineren Saal CEPHALGY [ Galerie ] ihr Set begonnen, die ich mir leider nicht ansehen konnte, da nach kurzer Umbaupause auf der Hauptbühne die deutsche Gothic Metal-Band CREMATORY [ Galerie ] auf dem Plan stand. Trotz des erneuten Stilwechsels wurde die Band mit einem herzlichem Applaus begrüßt. Bereits seit 15 Jahren besteht die Formation. Das sind aktuell Sänger Felix Stass, Gitarrist und Sänger Matthias Hechler, Bassist Harald Heine, Keyboarderin Katrin Jülich und Drummer Markus Jülich. Die Stimmung blieb während des gesamten Sets konstant oben und die Massen feierten zu den krachenden Hits wie „Tick Tack“ oder dem Klassiker „Tears of Time“ ab. Vom letzten Album „Pray“ gab es den gleichnamigen Song, bei dem sich Felix und Matthias mit cleanem und tiefem Gesang abwechselten. Ein echter Ohrwurm und dementsprechend gut ging es vor der Bühne ab.

 

Die Band war spielfreudig, motiviert und rockte die Stadthalle. Mit dem Sisters of Mercy Cover „Temple of Love“ und der Ballade „Perils of the Wind“ gingen 40 Minuten Spielzeit auch schon wieder zu Ende. Zeitgleich starteten im kleinen Saal PAINBASTARD und auf der Hauptbühne DIARY OF DREAMS [ Galerie ], so dass die Wahl nicht schwer fiel und ich weiterhin gespannt vor der Hauptbühne auf meine Helden des Abends wartete. Gerüchten zufolge sollte das ehemalige Bandmitglied und Keyboarder Torben Wendt (Diorama) für einen Gastauftritt mit von der Partie sein. Es hieß als Ersatz für Keyboarder Taste. Jedoch nachdem zwei Keyboards, jeweils rechts und links vom Schlagzeug aufgebaut wurden, stieg die Vorfreude darauf, beide an diesem Abend erleben zu dürfen. Dann kamen sie auch schon auf die Bühne. Taste auf der einen Seite, D.N.S. am Schlagzeug und Torben auf der anderen Seite hinter dem Keyboard. Gaun:A und Adrian betraten zuletzt die Bühne. Ein toller Anblick die Fünf so zu sehen. Ich hätte mir keine schönere Weihnachtsüberraschung vorstellen können! Das impulsive „MenschFeind“ bildete den Anfang des generell schnellen und energetischen Sets. Sänger Adrian kam nicht im typischen Outfit der vergangenen Tour, sondern in schlichtem Mantel, Hose und mit bereits offenen Haaren. Voller Energie tanzte er vorne am Bühnenrand und hob die Arme beim Refrain, was das Publikum zum Mitmachen animierte und jeweils zu „MenschFeind“ gingen die Arme in die Luft. Gaun:A sang die tiefen Vocals im Hintergrund und die zusätzlichen Keys passten perfekt zum Song. Nach einem herzlichen Applaus und den ersten Takten des Klassikers „Butterfly:Dance“ griff plötzlich Torben zum Mikro und kam nach vorne zu Adrian, um mit ihm gemeinsam zu singen.

 

Nicht nur meine Augen wurden immer größer und bei der gesanglichen Leistung der Beiden blieb das auch während des gesamten Songs so. Leider war Torbens Gesang etwas leise, aber an Ausdruckskraft war dieses Duett wohl kaum zu überbieten. Ob zusammenstehend oder jeder auf einer anderen Seite der Bühne, es war schwierig alles aufzunehmen, was da auf der Bühne passierte. In ihren Bann gezogen. schafften wir es aber dennoch die Arme hochzureißen und laut „Hello“ zu singen. Schreie und heftiger Applaus zogen sich durch den Saal, nachdem der Song zu Ende ging. Adrian begrüßte das Publikum und weiter ging es mit „Chemicals“ und dem grandiosen Schlagzeugspiel von D.N.S. Adrian sang den Song wieder allein, aber Torbens Stimme im Hintergrund war deutlich zu hören. In den Reihen um mich herum wurde der Refrain laut mitgesungen. Mit rockigem Gitarrensound und „The Plague“ ging es weiter, wo auch Adrian zur Gitarre griff. Gaun:A wanderte über die Bühne, während man sich um den Nacken von Taste Sorgen machen musste, der in die Tasten haute und gleichzeitig ein erstaunliches Headbanging hinlegte. Das anfänglich ruhige „Amok“ gab es, wie auf der vergangenen „Nekrolog 43-Tour“ in der schnellen und rockigen Version. Torben unterstützte weiterhin gesanglich aus dem Hintergrund. Der Kultsong „Traumtänzer“ durfte auch an diesem Abend nicht fehlen und gemeinsam sangen wir den Refrain, zum Ende auch ein paar Mal ganz allein. Die Stimmung im Publikum war fantastisch, als zu den ersten Takten von „The Curse“ Torben zu einem weiteren Duett auf die Bühne kam. Dieser wurde von Adrian immer wieder auf den kleinen Bühnensteg geschoben, um sich der Masse zu zeigen.

 

Obwohl ich diesen Song schon so oft gehört und live gesehen hatte, war er an diesem Abend ganz besonders mit den Stimmen, der Mimik und Gestik beider fantastischen Sänger. Leider wurde im Anschluss schon der letzte Song „Kindrom“ angestimmt. Auch hier sangen wir gemeinsam „All the Rebels can´t bring me down…“ und feierten ausgelassen. Ein verdienter heftiger Applaus und eine sich umarmende und verneigende Band verließ unter Jubel die Bühne. An diese Konstellation könnte ich mich definitiv gewöhnen! Auch die folgenden Bands ROTERSAND und ABSOLUTE BODY CONTROL auf der Nebenbühne konnte ich mir, durch das weiterhin hochkarätige Line-Up auf der Hauptbühne nicht ansehen. So freute ich mich ganz besonders auf die Schweden COVENANT [ Galerie ], die noch vor zwei Jahren Headliner des Festivals waren. Eskil Simonsson, Joakim Montelius und Daniel Myer betraten unter Jubel und Applaus die Bühne. Zum Einstieg gab es gleich einen neuen Song namens „If I would give my soul“, der mir allerdings zu monoton war. Ruhig plätscherte er ohne bemerkenswerte Details dahin. Zu den Klängen von „20 hz“ dagegen wurde ordentlich geklatscht und getanzt. Noch erschien Eskil etwas müde, was die Stimmung ein wenig bremste und auch das folgende ruhige „Bullet“ war da eher stimmungskillend. Dies besserte sich beim Klassiker „Go Film“. Die treibenden Klänge und Eskils und Joakims Gesang ließen das Publikum wieder tanzen und mitsingen. Schade nur, dass die Setlist nun wieder eine Ballade vorsah. „Invisible & Silent“ ist zwar einer meiner Favoriten, aber nicht förderlich für eine feierwütige Masse, die Party machen möchte.

 

So wurde zwar im Takt geschunkelt und Eskils gesangliche Leistung konnte auch überzeugen, aber die Stimmung hinkte weiter vor sich hin. Dies sollte sich jedoch beim nächstfolgenden Song „The Men“ und auch im weiteren Verlauf grundlegend ändern. Von nun an folgte ein explosives Set. Auch besonders hervorzuheben ist das geniale E-Drummsolo von Daniel Myer, welches zu Begeisterungsstürmen führte. Man hüpfte auf der Bühne und im Publikum gleichermaßen. Der Clubhit „Stalker“ trieb die Massen noch ein wenig mehr an und auch „Ritual Noise“ bot keinen Einhalt. Mit erhobenen Armen und sehr laut wurde das Ende traditionell durch „Call the Ships to Port“ eingeleitet. Das Publikum drehte richtig auf und feierte ausgelassen und dankbar. Als Co-Headliner des Abends startete eine Band, an der man seit einigen Jahren nicht mehr vorbeikommt. Das UNHEILIG [ Galerie ] auch hier wieder etliche Fans anzogen, merkte man an dem Versuch in den großen Saal zu gelangen, was fast unmöglich schien. Zum gewohnten Bühnenbild, dem überdimensionalen Kerzenständer gesellten sich Keyboarder Henning und Gitarrist Licky auf der Bühne. Nachdem der Graf im gewohnten Outfit auftauchte ging ein Raunen und Jubelschreie durch den Saal. Mit seiner charismatisch tiefen Stimme wurden hauptsächlich Songs des aktuellen Albums „Puppenspiel“ gespielt, wie „Spiegelbild“, „Feuerengel“ und „Puppenspieler“. Vergeblich wartete ich auf die angekündigte Weihnachtsshow, also auf die Weihnachtslieder des Albums „Frohes Fest“. Dafür bekamen wir die alten Gassenhauer wie „Maschine“, „Sage Ja“ oder „Freiheit“, die allesamt vom Publikum begeistert aufgenommen wurden und die der Graf in seiner gewohnt energetischen Art und Bewegung vortrug.

 

Gänsehautstimmung folgte bei der Ballade „An Deiner Seite“, die man gar nicht oft genug hören kann und zum Abschluss wurden etliche blaue Knicklichter im Publikum verteilt, um diese bei „Mein Stern“ stimmungsvoll hin- und her zu schwingen. Insgesamt gelang UNHEILIG wieder ein solider Auftritt, der die Fans fesselte, aber nachdem man ihn so oft gesehen hatte, wären ein paar Überraschungen (wie beispielsweise die Weihnachtslieder) eine gelungene Abwechslung gewesen. Mittlerweile war es schon Mitternacht und im großen Saal wurde es wieder etwas angenehmer. Den Headliner AND ONE [ Galerie ] wollte ich mir von den Rängen aus anschauen. Die Bühne wirkte fast leer ohne Schnick Schnack, wie Leuchtbuchstaben etc. Einzig die Pulte von Chris Ruiz und Gio van Oli besaßen Leuchtstoffröhren, die orange strahlten. Ansonsten war und blieb es recht lichtarm. Steve Naghavi erschien leger in schwarzer Jeans, Hemd und Jacket und zeigte den Besuchern des Festivals, dass man mit AND ONE Party machen kann. So folgten reihenweise Klassiker, wie „Metalhammer“, den mit Chris gemeinsam performten Song „Technoman“ oder „Deutschmaschine, die das Publikum zum Ausrasten brachten. Von oben sah die hüpfende Menge einfach genial aus. Die Kracher-Coverversion von Project Pitchfork „Timekiller“ durfte auch in diesem Set nicht fehlen und Steve drehte dabei Pirouetten, bei denen es einem schon beim Zusehen schlecht wurde. Einem Wirbelwind gleich fegte er über die Bühne und versprühte haufenweise Charme. Mit einer Coverversion des Alphaville-Songs „Forever Young“ wurde wie gewohnt die Achtziger Jahre geehrt. Zwischendurch schaute sich Steve die Mädels in den ersten Reihen an und lobte diese in allen Maßen.

 

Kein Wunder, dass er sich während des Songs „Traumfrau“ eine dunkelhaarige Schönheit auf die Bühne holte und sie zärtlich an sich zog, um mit ihr eng zu tanzen. Auch die aktuelleren Songs wie „Steine sind Steine“ und „Military Fashion Show“ sang das Publikum aus vollem Hals mit, streckte die Arme in die Luft und tanzte, was das Zeug hielt. Steve erwies sich dabei wieder als perfekter Entertainer und Animateur. Nach einer guten Stunde war auch dieser Auftritt wieder Geschichte, wobei Steve aber noch das Erscheinen der lang ersehnten und hundertmal versprochenen CD „Bodypop 1 1/2“ ankündigte. Das 12. Darkstorm-Festival endete als gelungene Veranstaltung, die organisatorisch jedes Jahr ein bisschen besser wird. Das Line-Up war abwechslungsreich, jedoch ging man bei den gewählten Bands auch wenig Risiko ein.

 
Text: .Cath Niemann
Bilder: .Sandro Griesbach