10 Darkstorm Festival .[ Stadthalle - Chemnitz, 25.12.2006 ]
 

Ein lang ersehnter Auftritt meiner persönlichen Helden DIARY OF DREAMS führte uns u.a. am diesjährigen 1. Weihnachtsfeiertag in den Westen des Freistaates Sachsen, direkt nach Chemnitz. Weg von der Idylle unterm Weihnachtsbaum mit Festtagsschmaus hin zum 10. Darkstorm Festival in die Chemnitzer Stadthalle. Diese liegt gut erreichbar direkt im Zentrum der Stadt. Um das lange Warten vor den Türen zu umgehen, machten wir uns erst eine Stunde nach Einlass (18 30 Uhr) auf den Weg, was sich jedoch als nicht klug herausstellte, denn diese Idee schienen viele gehabt zu haben, und die Schlange der Wartenden war schon von weitem zu sehen. Etliche Schwarzgewandte jeden Alters warteten auf Einlass an zwei Eingängen. Strenge Einlasskontrollen kennt man ja mittlerweile und so türmten sich etliche Dosen Haarspray, Deos, Getränke usw. im Türbereich. Trotz der vielen Gäste war es den ganzen Abend über angenehm temperiert und belüftungstechnisch geradezu vorbildlich. So konnte man jederzeit Sitzgelegenheiten vorfinden, Essens- und Getränkestände waren ausreichend vorhanden und preislich gab es ebenfalls nichts zu meckern. Nicht umsonst hat sich das Darkstorm Festival etabliert und feierte an diesem Abend sein 10jähriges Jubiläum.

 

EMINENCE OF DARKNESS verpassten wir leider komplett (jedoch war unser Fotograf schon zugegen und konnte sie Bildlich festhalten) und fanden uns erst in der Umbaupause vor WELLE:ERDBALL im Hauptsaal ein. Schon allein das Zusehen beim Aufbau des W:E-Equipments war sehr interessant und so war die Bühne nach kurzer Zeit mit einer großen Videoleinwand im vorderen Bereich und den beiden kleineren Leinwänden seitlich davon versehen. Laute „Welle, Welle…“-Rufe erfüllten den Saal und die Spannung stieg weiter an, bis „Tanzpalast 2000“ erklang. Sänger Honey und A.L.F versteckten sich jedoch hinter den kleinen Leinwänden, von Kameras gefilmt wurden die Bilder auf die große Leinwand mittig auf der Bühne übertragen. Erst nach dem Song wurden die Chemnitzer von Honey mit „Guten Abend Karl-Marx-Stadt“ begrüßt und der nächste Titel „Wir wollen keine Menschen sein“ nahm seinen Lauf. Die „Praktikantinnen“ Frl. Venus und Plastique drehten sich adrett in wippenden Petticoats auf Drehscheiben im Kreis. Die Stimmung im Saal war explosiv.

 

Aufgedreht tanzte und sang das Publikum mit und ganz besonders wurde auch immer wieder der Dresdner Hörerclub lobend von Honey erwähnt. Der kündigte in altbekannter Manier den Song „Mensch aus Glas“ an und warnte eindringlich vor der Angabe persönlicher Daten im Netz. Dazu wurden von beiden Damen wieder die „Kaufen“ und „Konsumieren“-Schilder hochgehalten. Ein C-64 landete nach Huldigung durch Honey im Publikum, während „Das Alpha-Tier“ angekündigt wurde. Die grandiose Stimmung begleitete auch das bekannte „Arbeit adelt“. Das Stück „Der Telegraph“ vom aktuellen Albums „Chaos:Total“ wurde von beiden Damen gesungen, die sich ein Mikro teilten. Nach einer schnellen Umziehaktion standen beide in ihren engen Lederoutfits bereit für das schweißtreibende „Starfighter F-104G“ und ein begeistertes Publikum sang und tanzte euphorisch mit. Auch Honey zeigte sich begeistert von der Reaktion und bedauerte schon, dass nur noch wenig Zeit bis zum Ende des Auftritts verbleiben würde.

 

Mit den Klängen der Nationalhymne beginnend folgte der Titel „Deutsche Jugend“ aus dem Jahre 1995, welcher lange nicht mehr live gespielt worden war und einen besonderen Leckerbissen für viele Fans darstellte. Schwungvoll schwenkten die Damen riesige Fahnen mit W:E Logo im Takt. Der leider viel zu kurze Auftritt wurde mit „Monoton & Minimal“ noch mal gebührend abgefeiert und auch A.L.F kam aus dem Hintergrund zu den anderen nach vorne. Begeisterte Jubel- und Zugaberufe begleiteten die Band hinter die Bühne.

 

Jedoch ließ der enge Zeitplan keine Verzögerungen zu und der Abbau begann. WELLE:ERDBALL sind immer ein Stimmungsgarant und ein späterer Auftritt hätte wohl Band und Gästen gut gefallen. „Kontrastprogramm“ war das Motto des Abends und so folgte nach WELLE:ERDBALL die Berliner Mittelalter-Industrial-Rockband TANZWUT. Dudelsäcke, Drehleiern, Schalmeien, Gitarren, Schlagzeug und Keyboard wurden auf die Bühne gebracht und in viel Nebel gehüllt betraten die Musiker in seltsamen Outfits die Bühne. Für mich eine Premiere und ein wenig skeptisch beobachtete ich das Schauspiel. Der Sänger Teufel mit nacktem Oberkörper wirbelte ordentlich über die Bühne und trieb das Publikum mit Songs wie „Ihr wolltet Spaß“ und „Lügner“ zum Tanzen und Feiern an, bis der Schweiß in Strömen floss. Stimmung machen können TANZWUT, das muss man ihnen lassen! Faszinierend war auch die Tatsache, dass die gleichen Fans, die vorher bei W:E feierten nun bei TANZWUT ausrasteten. Ein vielfältiges und tolerantes Publikum die Chemnitzer!

 

Dann war es endlich Zeit für meine Favoriten des Abends: DIARY OF DREAMS. Ohne Intro erklang die Melodie zu „Giftraum“ während D.N.S, Torben Wendt (DIORAMA), Gaun:A und zuletzt Sänger Adrian Hates die Bühne betraten. Gefühlvoll und markant tief intonierte Adrian den Song und verbreitete mit seiner wahnsinnigen Ausstrahlung eine geheimnisvolle und beeindruckende Atmosphäre. Mit Jubel und Applaus hießen die Chemnitzer die Formation willkommen, während schon die ersten Töne von „The Curse“ erklangen. Den Song kannte wirklich jeder und so erblickte man überall singende und tanzende Menschen, die der wunderschönen Stimme lauschten. Adrian in seinem langen Mantel schritt abwechselnd mit Gaun:A von links nach rechts hin und her und bereitete die Arme als Aufforderung zum Mitklatschen aus. So klatschten und tanzten wir weiter zu „She“ vom Album „Freak Perfume“, lauschten dem Klang von Adrians Stimme und verfolgten jede seiner Bewegungen.

 

Das Zusammenspiel der Vier passte perfekt und immer wieder stellte sich Adrian zu seinen Bandkollegen, um jeden für einige Momente in den Vordergrund zu rücken. Ständig musste man sich entscheiden, welchem Vollblutmusiker man seine Aufmerksamkeit schenken sollte. Dem vor Energie sprühenden Chemnitzer D.N.S, der bei diesem Heimspiel kraftvoll sein Schlagzeug bearbeitete, Torben am Keyboard, dessen Zweitstimme eine Gänsehaut nach der anderen bei mir hervorrief, Gaun:A an der Gitarre mit Kriegsbemalung und imposantem Iro oder eben der charismatische Frontmann Adrian.

 

Mit dem Clubhit „Butterfly:Dance“ traf man wieder den Nerv des Publikums, welches das schnellere Set begeistert aufnahm, mit lauten Schreien würdigte und (natürlich) den Refrain mitsang. Nach Entledigung seines Mantels (und „Chemicals“) folgte das düstere „Kindrom“, ein Track des letzten Albums „Nigredo“. Kraftvoll und aggressiv sangen wir gemeinsam: „All the Psychos in the world can´t bring me down – down, down…”. Wieder Gänsehaut! Nach dem tanzbaren „Panik“ bildete das unnachahmliche „Traumtänzer“ das Ende des Auftritts. Dieser Song ist einfach ein Muss und hat bisher noch jeden mitgerissen. Gebannt lauschten wir den traumhaften Klängen und sangen bis zuletzt mehrere Male den Refrain allein. Adrian hielt sein Mikro in die Massen und freute sich sichtlich über die Textsicherheit und Resonanz. Trotz alles Wünschens und Hoffens war die Zeit um und DIARY OF DREAMS verließen die Bühne mit dem Wissen, in Chemnitz immer wieder ein gern gesehener Gast zu sein!

 

Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits AGONOIZE im kleineren Saal der Stadthalle ihr Set begonnen. Bereits auf dem Weg dorthin donnerten uns die wuchtigen, harten Beats um die Ohren. Von den Rängen um das Parkett herum sah der brodelnde Hexenkessel sehr beeindruckend aus. Massenweise schwitzende und zuckende Leiber bewegten sich zum aggressiven Sound des Club-Krachers „D.M.K“, welcher gerade in die Massen gepeitscht wurde. Der Saal platzte aus allen Nähten und nach jedem Song konnte man über ein Meer von Armen blicken. Wir entschieden uns das Schauspiel noch etwas von oben aus anzusehen. Nach „BängBäng God Bye“ folgte der Deutsprachige Titel „Glaubenskrieger“, welcher beweist, dass sich die Berliner Jungs nicht hinter ihrer Muttersprache verstecken müssen. Vor „Koprolalie“ dem letzten Song hielt Chris erst einmal inne und es wurde merklich ruhig im Saal. Er widmete „Koprolalie“ dem Orkus Redakteur Marco Reich, welcher in seiner Berichterstattung über das diesjährige WGT wohl etwas zu sehr die Band angegriffen...

 

...und Chris seiner Meinung nach, nicht objektiv berichtet hatte. „Ja wir sind peinlich, ja wir sind pervers und ja wir sind obszön, der nächste Song ist nur für dich, Fick mich!“ Und so zuckten die Leiber noch einmal auf, bevor wir uns wieder auf den Weg zum Hauptsaal machten, wo BLUTENGEL auch schon am Werke waren. Treue Fans belagerten die ersten Reihen und viele Schaulustige verfolgten die teilweise erotische Show um Frontmann Chris Pohl und seine Gespielinnen. Constance Rudert zog in ihrem knallroten Kleid die Blicke auf sich und das Zusammenspiel mit halbnackten Damen erfreute die Männerwelt im Saal. Zu Songs wie „Beauty of Suffering“ oder „Seelenschmerz“ gab es das volle BLUTENGEL Programm inklusive Kunstblut und Pyroshow.

 

Während ihres Auftrittes machten wir uns wieder auf den Weg, vorbei an diversen Catering und Merchandise Ständen, hinüber in den kleineren Saal, um auch ein wenig von DE/VISION mitzubekommen. Schade, dass es diese Überschneidungen gab, so verpasste man doch den ein oder anderen Interessanten Song. Hier könnte man sicherlich noch eine Alternative finden. Steffen und Thomas von DE/VISION waren schon in ihrem Element und performten „The End“, als wir ankamen. Die Livebesetzung bestand, wie gehabt, zusätzlich aus Gitarrist Lars und Drummer Achim. Der kleine Saal war diesmal eher mäßig gefüllt, was vielleicht auch daran lag, dass man DE/VISION in diesem Jahr sehr oft hatte sehen können. Sei es auf der eigenen Tour oder den großen Sommerfestivals. So hatte jeder ein großzügiges Fleckchen zum Tanzen für sich und genoss Oldies wie „Your hands on my skin“ oder neue Titel wie die aktuelle Single „Love will find a way“, bei einer sicherlich auch mal recht positiv erwähnenswerten Light-Show.

 

Noch ein letztes Mal hetzen, um pünktlich zum großen Headliner des Abends COVENANT zu gelangen. Bereits im Vorfeld hatte ich erfahren, dass nicht wie üblich Clas sondern Daniel Myer (HAUJOBB) an diesem Abend an einem der Keyboards stehen würde und somit war ich noch gespannter auf das Trio. Mit „20 Hz“ und einer wahnsinnigen Lichtshow begann das Set und Eskil schien in seinem roten Hemd bestens gelaunt. Das tanzende Publikum freute sich wahnsinnig auf ihre Electro-Lieblinge und jubelte den Schweden zu. Etwas ruhiger ging es mit „Bullet“ weiter. Die aktuelle Single „Brave New World“ kam schon fast so gut an wie die Clubhits „We stand alone“ oder „Stalker“. Eskil bedankte sich immer wieder für den ohrenbetäubenden Applaus und stimmte das Weihnachtslied „Stille Nacht“ an. Irgendwann wusste er im Text nicht weiter und aus „Stille Nacht“ wurde „The Man“. Die Zugaben kündigte Eskil bereits im Vorfeld an und so blieben alle standhaft und jubelnd stehen, bis es mit „Happy Man“ vom aktuellen Album „Skyshaper“ weiterging.

 

Daniel Myer machte seinen Job sehr gut, allerdings sträubte er sich beharrlich gegen die Aufforderungen von Eskil mitzutanzen. Dagegen bewegte Joakim sich sehr geschmeidig hinter seinem Keyboard. Der absolute Stimmungshöhepunkt wurde nach „Dead Stars“ mit „Call the Ships to Port“ erreicht. Bei der Erfolgssingle wurde nicht nur euphorisch mitgesungen, sondern genau wie der Song explosionsartig abgeht, sprang auch die Masse einheitlich im Takt hoch in die Luft. Völlig fertig und überwältigt von der Stimmung ging der Abend zu Ende. Für alle, die noch nicht genug hatten, gab es noch eine Aftershowparty, allerdings in einer anderen Location. Die Sachsen verstehen es richtig zu feiern und sind ein dankbares Publikum, zusammen mit dem abwechslungsreichen Line Up war das ein wirklich ereignisreicher Abend. Wir kommen gerne wieder, im nächsten Jahr, wenn der dunkle Sturm ruft!

 
Text: Cath Niemann, Sandro Griesbach
Bilder: Sandro Griesbach

Eminence of Darkness: Galerie II
Welle Erdball: Galerie II
Tanzwut: Galerie II
Implant: Galerie II
Diary of Dreams: Galerie II
Agonoize: Galerie II
Agonoize: Galerie II
De/Vision: Galerie II
Covenant: Galerie II